Lagazuoi (2.835 m) – der durchlöcherte Berg

Die Dolomiten ziehen einen magisch an. Es gibt so viele Wanderwege und Klettersteige, dass es schwer fällt sich zu entscheiden. An diesem Tag fiel die Wahl aber auf einen Berg, der auch viel Geschichte bietet. Die Geschichten, welche es über den Dolomiten-Krieg gibt, zogen mich magisch an. Wie in den Dolomiten gekämpft wurde, ist heute einfach unvorstellbar. Um der Geschichte auf den Grund zu gehen, ging es als zum Falzarego Pass. Hier verlief die Front zwischen Italienern und Österreichern.

Mit dem Auto an der Bergstation angekommen, findet man ausreichend Parkmöglichkeiten. Es bieten sich verschiedene Möglichkeiten um auf den Lagazuoi zu gelangen. Der schwierigste Weg führt durch die Stollen des Berges, über Klettersteige und einer Hängebrücke. Die angenehmere Variante führt entlang der Skipiste nach oben. Dieser Weg ist wirklich einfach zu gehen. Am gemütlichsten ist natürlich die Seilbahn. Zwar hatte ich im letzten Beitrag geschrieben, dass ich nicht so gerne auf Berge gehe, auf die eine Seilbahn fährt, doch manchmal lässt es sich nicht ganz vermeiden. 😊

Da die Seilbahn keine Option für uns war, hieß es Wanderschuhe an und Ausrüstung prüfen. Los ging es Richtung Lagazuoi. Wir entschieden uns für die Variante, über den Kaiserjäger-Steig aufzusteigen und durch die Stollen wieder abzusteigen. Auf den Berg zulaufend, ist der Weg Nr. 402 erst einmal recht breit. Nach ein paar Minuten Gehen steht ein Schild mit der Aufschrift: Kaiserjäger-Steig. Dieser zeigt Richtung Nord-Westen.

„Ab hier wurde der Weg schmaler…“

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Wir waren Mitte September dort und es hatte am Tag zuvor geschneit. Das senkte unsere Motivation jedoch nicht. Nach kurzer Zeit kommt man an die ersten Schützengräben, gefolgt von Überbleibseln der Stellungen. Die Aussicht, die sich hier bereits bot, lenkte uns fast von den geschichtlichen Hinweistafeln ab, welche einem immer wieder begegnen. Der Weg war durch den Schnee manchmal etwas schwer zu finden, dass dürfte einfach sein, wenn keiner liegt.

 

Nachdem wir die Stellungen hinter uns gelassen hatten, ging es über Serpentinen weiter nach oben. Am Ende dieses Stückes wartete die erste kleine Herausforderung: eine Rinne, gesichert mir Klammern und Holzbalken. Normalerweise kein Thema, eingeschneit ein wenig anspruchsvoller.

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Oben angekommen standen wir vor einem, mit Seilen gesicherten, Abschnitt. Es ist durchaus möglich, hier ungesichert zu passieren, doch ungeübten würde ich empfehlen das Klettersteig Set anzulegen. Am Ende dieses gesicherten Teils, kamen wir zu einem der Highlights der Tour. Die Hängebrücke über eine Schlucht. Auf der anderen Seite der Brücke ist ein Stolleneingang.

Hier bekamen wir den ersten Eindruck, wie es damals in den Stollen aussah. Nachdem wir an einem anderen Ausgang herauskamen, kletterten wir ein kurzes Stück hoch und folgten dem Weg weiter. Auch hier sahen wir wieder Befestigungsanlagen.

Von dort aus ging es nun, teilweise gesichert, immer weiter nach oben. Der Anstieg gestaltete sich als abwechslungsreich und interessant. Als wir oben ankamen, hatten wir eine sagenhafte Aussicht. Rechterhand ging es weiter zum Gipfelkreuz um natürlich Fotos zu machen. Im Anschluss wärmten wir uns in der Berghütte auf und genossen das Bergpanorama.

 

Frisch gestärkt ging es nun in Richtung Seilbahn. Hinter dem Gebäude ist eine Art Torbogen mit der Aufschrift: 10 Minuten zum Felstunnel. Über einen felsigen Abstieg, der aber sehr gut gesichert ist, ging es auf den darunterliegenden Weg. Dieser führte uns durch nächsten Befestigungsanlagen über einen Grat, zum Eingang der Stollen.

„Der Grat ist nicht sehr lang, aber man sollte schwindelfrei sein.“

 

Nun zogen wir Helme und Stirnlampen auf und begaben uns in das Tunnelsystem. Dieses ist nicht zu unterschätzen, da es unheimlich viele Stufen hinuntergeht, mit weiteren Gängen die immer wieder abzweigen. Gerade beim Runtersteigen in absoluter Dunkelheit, denkt man bei jedem Lichtkegel, welcher durch die Öffnungen hineinscheint, es ei der Ausgang. Dieser Abschnitt, mit all seinen MG-Stellungen und Kammern war ein absolutes Erlebnis.

 

Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit im Dunkeln den Ausgang erreichten, gingen wir über einen kleinen Pfad weiter bergab. Er führt an einem kleinen Wasserfall vorbei, durch einen weiteren kleinen Stollen, in Richtung Tal.

cof

Den restlichen Abstieg leisen wir uns von der Steigung nach unten treiben.Wieder am Parkplatz angekommen, genossen wir noch ein wenig den Blick auf den Lagazuoi und verfolgten die Route nach, die wir gegangen waren.

Wenn man diesen Weg geht, kann man sich einen guten Einblick verschaffen, unter was für Umständen hier gekämpft wurde und was an dem Berg vor sich ging. Mit der Seilbahn bleiben einem diese ganzen Eindrücke verwehrt. Man bekommt für sein Geld ein tolles Panorama, jedoch kaum etwas von der Geschichte. Ich empfehle diese Tour jedem. In meinen Augen ist es eine perfekte Mischung aus Bergtour, Geschichte und Panorama.

Euer Steph

 

8 Kommentare

  1. ein super Beitrag und diese Tour wollte ich auch mal machen !!! Danke für die tollen Fotos und den geschichtlichen Beitrag. Ich habe Bücher über den Hochgebirgskrieg gelesen und es ist einfach unvorstellbar was hier abverlangt wurde. War selber auch schon an Schauplätzen in den Dolomiten ! Drei Zinnen oder Monte Piano waren dabei !!! Bin begeistert von diesem Beitrag !!!!

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  2. Wow, toller Beitrag! Es ist wirklich faszinierend zu sehen und eigentlich nicht vorstellbar was unsere Vorfahren in den Bergen im Krieg erlebt haben. In unserer Nähe sind die Julischen und Karnischen Alpen, dort kann man auch noch viele Überbleibsel vom Stellungskrieg sehen wenn man in den Bergen unterwegs ist. LG

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